Dr. Ulrike Mayer

Drei Persönlichkeitstypen und ihre Bedeutung im Lerncoaching

16.08.2021

Im Lerncoaching geht es um eine individuelle, ganzheitliche und lösungsorientierte Beratung und Unterstützung, bei der gemeinsam eine  persönliche Lernkompetenz entwickelt und angewandt  wird. Dabei steht das Kind, nicht der Lernstoff an 1. Stelle. Eine Möglichkeit, das Kind in seiner Ganzheit zu erfassen, bietet die Psychographie mit den unterschiedlichen Persönlichkeitstypen. Nach Dr. Dietmar Friedmann und Werner Winkler gibt es 3 Grund-Persönlichkeitstypen in der Psychographie, wobei sich jeder Mensch schon sehr früh in der Kindheit auf einen Typ spezialisiert. Dabei darf hier aber nicht vergessen werden, dass jeder Mensch jeden Typ in sich trägt, nur in unterschiedlicher Ausprägung. Die Persönlichkeitstypen sind  der Handlungstyp, dem Handeln zugeordnet, der Beziehungstyp, dem Fühlen zugeordnet und der Sachtyp, dem Denken zugeordnet. Diese Grundtypen haben nichts mit den unterschiedlichen Geschlechtern oder den genetischen Merkmalen zu tun. Um gemeinsam eine individuelle Lernstrategie zu entwickeln, braucht es daher eine genaue Analyse des Kindes.

Kurzübersicht über den Handlungs-, Beziehungs- und Sachtyp

Im Folgenden nenne ich Beispiele für die einzelnen Typen. Dabei geht es nicht um Vollständigkeit. Es handelt sich hierbei auch nicht um einen Test, der mittlerweile zur Verfügung steht, sondern um Beobachtungen, die, wenn der Typ erkannt wird,  ein vertrauensvolles und erfolgreiches Coaching ermöglichen.

Der Handlungstyp

Handlungstyp-Kinder fallen häufig dadurch auf, dass sie schon sehr früh in ihrer Kindheit  ihre Spiel- und Schulsachen ordentlich aufräumen. Auch machen diese Kinder häufig ihre Hausaufgaben ordentlich und vollständig. Sie achten darauf, dass ihre Stifte gespitzt und alles im Mäppchen an seinem Platz ist. Sie sind oft ehrgeizig in der Schule, Noten sind ihnen wichtig. Genauso wichtig sind diesen Kindern meist Regeln, die aufgestellt werden. Sie achten dann nicht nur bei sich selbst, sondern auch beim Gegenüber auf deren Einhaltung. Wenn Kindern eine Tätigkeit gezeigt wird, machen sie diese so gewissenhaft wie möglich nach und versuchen ein bestmögliches Resultat zu erzielen.

Der Sachtyp

Sachtyp-Kinder sind häufig ruhig, verfolgen aber meist aufmerksam mit, was um sie herum geschieht. Bei Veranstaltungen oder in der Reihe sind sie oft die letzten, die sich einreihen. In der Schule sind sie häufig sehr ruhig und melden sich selten von sich aus. Auch schließt das Sachtyp-Kind langsam Freundschaften, aber wenn, dann ist es fast für immer. Diese Kinder brauchen für Vieles “ihre Zeit”; wenn sie es dann können, behalten sie das Gelernte in der Regel. Pausen und Spielphasen sind sehr wichtig, damit Sachtyp-Kinder zufrieden sein können. Spielsachen können im ganzen Kinderzimmer rumliegen, ohne dass es das Kind stört. Sie finden meist immer, was sie brauchen.

Der Beziehungstyp

Beziehungstyp-Kinder sind in der Regel sehr offen und schließen sehr schnell Freundschaften. So sind sie dann auch schnell in Gruppen oder in Vereinen unterwegs. Auch sind sie meist an vielen unterschiedlichen Dingen interessiert, halten sich aber häufig nicht lange damit auf und bleiben lieber mit ihren Beobachtungen an der Oberfläche. Viele Beziehungstyp-Kinder sind sehr emotional und zeigen ihre Gefühlswelt sehr deutlich. Haben sie einen offensichtlichen Fehler gemacht, versuchen sie ihn charmant runterzuspielen und bringen es häufig fertig, dass ihnen schnell verziehen wird.

Was bedeutet das Wissen um den Persönlichkeitstyp für das Lerncoaching?

Grundsätzlich lernen wir, dass wir das Lerncoaching Typ-gerecht aufbauen können, wenn wir die Persönlichkeitstypen kennen.

Handlungstyp: klare Aussagen und Regeln

Im Umgang mit einem Handlungstyp-Kind ist das Vertrauen noch wichtiger als für die anderen beiden Typen. Das Miteinander einen Plan mit messbaren Zielen zu erstellen, ist sehr bedeutsam. Auch ist weniger manchmal mehr, um so zu verhindern,  dass sich das Kind zu sehr überfordert. Das Spiel in der Stunde ist ein wesentlicher Erfolgsgarant. Allerdings kann es auch wichtig werden, konkrete Anweisungen ohne langes Herumreden zu geben, wie z.B. “du machst jeden Tag 10 Minuten deine Übungen, weil ich das sage."

Sachtyp: Zeit lassen

Sachtyp-Kinder brauchen gute Argumente und klare Anweisungen, die sie dann auf ihre Weise und in ihrer Zeit bewältigen möchten. Es kann auch förderlich sein, Alternativvorschläge zu machen.  Oft weiß das Kind, was es nicht will und kommt erst zum Schluss auf den Punkt, was es will. Hier gilt Zeit lassen. Wie auch bei den anderen beiden Typen ist es wichtig, Ziele zu definieren, für den Sachtyp ist es jedoch äußerst wichtig, die kleinen Teilerfolge gebührend zu feiern. Sätze wie du schaffst das, sind für viele Sachtyp-Kinder Balsam und spornen sie an. Damit Sachtyp-Kinder nicht zu sehr im Denken verharren, bieten sich hier verstärkt Bewegungsübungen an, die mit kleinen Lerneinheiten verknüpft werden können.

Beziehungstyp: ruhig begleiten

Damit Beziehungstyp-Kinder im Lerncoaching gut mitmachen können, sollte unbedingt auf ihre Gefühle eingegangen werden. Häufig erzählen diese Kinder aus ihrem Alltag, bevor mit der Stunde angefangen werden kann. Sie brauchen oft Zeit, um sich auf eine Sache konzentrieren zu können. Hier bieten sich kleine Konzentrations- und Achtsamkeits- Übungen an.  Sind sie dann allerdings bereit, sind diese Kinder oft mit viel Freude beim Lernen dabei und machen schnell große Fortschritte. Beziehungstyp-Kinder sind sehr gesellig und lernen daher auch gerne in einer Kleingruppe.

Das Erkennen der einzelnen Persönlichkeitstypen erfordert ein genaues Hinschauen und Hinhören. Je mehr Erfahrungen mit den einzelnen Typen gemacht werden umso differenzierter kann auf die Kinder eingegangen werden.

Bei Interesse können hier kostenlose Typentests für Kinder durchgeführt werden.

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